Was uns ausmacht: Lauferlebnisse und mehr...


Der ganz normale Wahnsinn in der Läufergruppe - Geschichten, Gedanken, Lauf-(Er-)Leben.

Verfasst, in loser Folge publiziert und in voller Verantwortung getragen von Katja König (der Tochter unseres Läufer-Häuptlings)


Rückblick 2019/2020 im Januar 2021

 

Laufschmankerl und Augenblicke im SC-Läufer-Leben

 

„Kämpf, Du Sau!“, schallt es mir von vorne rechts entgegen, während ich versuche auch noch das letzte Bisschen aus mir heraus zu holen. Leider versteckt sich das letzte Bisschen gerade richtig gut, hält sich gar krampfhaft hinter einem Stein fest und ist nur mit Müh und Not zu überreden, doch noch in meine Beine zu flitzen und erneut ein wenig anzuziehen.

 

Denn während sich die Donnerstagsrunde und die Sonntagsläufer in sicheren, coronabedingten Ruhegefilden wähnen, heckt Manni bereits neue Routen und Herausforderungen aus. Bootcamp war gestern, Manni ist zurück. Da geht’s unter Stacheldrahtzäunen durchrobbend hindurch, werden breite Wassergräben überwunden, alte Biberfährten wieder aufgelebt (dass wir nicht durch den Biberbau gekrochen sind, war alleine unserem Körperumfang zu verdanken), Wege durchdrungen, die, in Manni-Manier, „Da war früher mal ein Weg.“, schon wieder zig Jährchen zugewuchert sind und mit einem “Joooo, die paar Brombeerhecken…“ unerschrocken durchquert werden (im Nachhinein wusste ich auch weshalb er, im Gegensatz zu mir, lange Hosen anhatte), und und und. Als Versuchskaninchen halte ich, seine Tochter, her, denn die Widerstandsbewegung unter den Läufern ab seiner Querfeldein-Crossover-Trainingsmethoden (gemeinhin auch als „Manni’s Schmankerl“ bekannt) wächst. Oder vielleicht werden sie auch langsam einfach nur alt und bequem. ;)

 

Dass es allerdings auch die über „60“-jährigen (you know, what I mean… ;D ) noch krachen lassen können, zeigt sich momentan bei Roland, der durch unseren jungen, fliegenden Holländer angestachelt zu alten, neuen Bestzeiten aufläuft und den Halbmarathon privat, mitten in coronafreien Wettkampfzeiten, einfach mal so, locker, flockig aus der Hüfte heraus, unter 1h30min läuft. Und wer seine Hüfte in der letzten Zeit mal so gesehen hat, der weiß, dass sich diese, im Gegensatz zu ihm, „Einfach mal gehen lässt“. Doch er trotzt allen Kritikern und Frotzlern und lässt sie einfach stehen, denn auch eine schlanke Figur ist kein Garant für Leistung. Gemäß seinem Motto: „Beißen, Du musst beißen.“, beißt er sich quer durch die Läufe, treffsichere, beißende Sprüche und natürlich das gute Leben (wovon die Hüfte ein Liedchen pfeift ;) ).

 

Apropos beißen…dass dies auch, buchstäblich, nach hinten losgehen kann, musste einer von uns schon am eigenen Leib erfahren. Denn während sich die meisten, mehr oder minder erfolgreich, durch die Donnerstagsrunde mit ihrem zügigen Tempo schlagen, schlagen sich andere mitten im Lauf einfach mal direkt aufs Feld, um halbreife Karotten auszubuddeln und die ersten, noch unreifen und grünen Äpfel vom Baum zu pflücken. Beides rächte sich keine fünf Kilometer später, wollte dahin zurück, wo es herkam (unter die Erde) und trug zur allgemeinen Erheiterung später im Duschraum bei. Aus sicherer Quelle weiß ich mittlerweile, dass sich nun immer ein Riegel in greifbarer Nähe befindet, um erneuten Ernteaktionen aufgrund akuter Unterzuckerung gegen zu wirken.

 

Und auch die Büsche bekommen eine völlig neue Bedeutung bei den SClern. Vor allem in der Sonntagsrunde gab es schon Zeiten in denen sich von fünfen mindestens drei in die Büsche schlugen, es bereits interne Vermutungen über geheime Zeitungslager ab der Sitzungsdauer gab („Nur nicht stressen lassen, gaaaaaanz, wie daheim.“) und wo die Nachzügler, nicht mehr Manni folgten, sondern sich plötzlich eine Hand aus dem Gebüsch schlug, den Weg wies und es mitten aus dem grünen Blätterklo schallte, „Do lang, ich bin grad…“.

 

Dass ungestörte Sitzungen manchmal gar nicht so ungestört sind und sich interne Frotzeleien manchmal ganz schön rächen können, musste bereits eine Handvoll Sonntagsläufer erfahren, die unserem Jüngsten, Orientierungslosesten und Dauer-Toilettengänger einen kleinen Versteckstreich spielen wollten. Besagter war Nachzügler aufgrund seiner regen und regelmäßigen Darmtätigkeit. Die anderen, schnell ums Eck geflitzt, anstelle des Weges gerade aus gefolgt, drückten sich an den kleinen Hang, drei Meter unterhalb. Eine Hand dabei vor den Mund gedrückt, jegliche Lacher unterdrückend. Eine Hand, die plötzlich mehr als zügig zur Nase wanderte, denn keine zwei Meter oberhalb schlug sich besagter Jüngster erneut in die Büsche, die Hose bereits auf Halbmast. Nachfolgendes dürft ihr Euch schön und kunterbunt denken, die Illusionen der Anwesenden wurden an diesem Morgen jedenfalls nachhaltig zerstört, ab der „nackten“ Wahrheit direkt über ihren Köpfen.

 

Mit nackten Wahrheiten wurden letzten Sommer auch die Urloffner Fische konfrontiert, als sich die Donnerstagsrunde nach einem Läufchen im örtlichen See erfrischte. Nur zwei Tage später wurde von der Sichtung toter Fische, an der Wasseroberfläche treibend, berichtet. Über direkte Zusammenhänge kann bisher nur spekuliert werden…

 

Spekuliert wird übrigens auch über fehlende Lehrer, Anbändeleien, Corona-Tatsachen und –Querdenkertum, die Anwesenden, die anderen und das ganz normale Leben. Ganz wie im echten Leben halt.

 

Viel hat sich nicht verändert, es wird gelaufen, getratscht, gelästert, gelacht und gefrotzelt. Es wird sich gegenseitig herausgefordert, es werden Schneebälle geworfen, der Schalk blitzt auf in den Augen, die Jugend, sie lacht, zumindest die Jugend im Alter. Die Jugend in der reellen Zahl hinkt meisten hinterher, wenn sie nicht gerade Hügel hinunterkugelt, denn wer nicht mehr laufen kann, der kugelt halt und überhaupt, ein guter Fall will auch gelernt sein. ;) Und überhaupt, die Zweite: Galt früher noch, „Wer mit trockenen Schuhen nach Hause kommt, der war nicht mit Manni laufen.“, so gilt heute „Wer mit sauberen Hosen nach Hause kommt, der war überhaupt nicht laufen.“ Davon zeugen Querfeldeinläufe, schlammige Hügel-Hinunterkugeleien und Kuhfladentreter. Letzteres trifft Nasse-Schuhe-Empfindsame besonders hart.

 

„Hart an der Grenze“ laufen und frotzeln die SCler übrigens nicht nur, hart an der Grenze befinden sich manche wohl mittlerweile auch im Gemüts- und Seelenzustand, wovon Gespräche, persönlich und per Telefon, Emails und Whatsapp zeugen. Das Schöne: Jeder darf, wie er ist, wie er mag und wie er kann. Es findet sich immer ein Ohr, zwei Arme und zwei Beine. Menschen finden sich, und Tierchen auch, die sich sonst vielleicht nicht gefunden hätten. Es wird auf-, über- und miteinander eingegangen, - gesprochen, -gefrotzelt, -gelacht, -gelaufen, -angestoßen und beisammengesessen. Die meisten nehmen sich nicht allzu ernst, die anderen werden nicht allzu ernst genommen und das Leben wird und sieht sich ebenso, stets mit einem Schmunzeln auf den Lippen, einem Glitzern in den Augen und einem Jauchzen in der Seele.

 

Und spätestens wenn dieser eine Moment kommt…dieser eine Moment der frühen Morgen- und der späten Abendstunden. Wenn Stille um uns herrscht, nur das leise, jedoch kraftvolle Ausschreiten zweier Beine auf weichem Waldboden oder weißem Pulverschnee an unser Ohr dringt. Wenn der Mond, umringt von Milliarden von Sternen, den Weg die Wälder und die Reben hinauf bescheint. Wenn der Tau der ersten frischen Nächte sich wie ein Netz aus Tausenden von Funkelperlen über die Felder und Wiesen zieht, wenn erste Morgennebel sanft und mystisch über allem liegt, wenn der Schnee der Winternächte, wie tausend Diamanten glitzernd, sich über Wald und Wiesen legt. Wenn wir mitten aus der Nacht hinaus in einen Sonnenaufgang hinein- oder mitten aus dem Tag heraus, einem Sonnenuntergang entgegen joggen. Wenn wir da oben stehen, unter uns die Weiten und die Lichter unserer Heimat, unserer Welt, über uns die Weiten des Universums und des Firmaments. Spätestens dann, wenn wir der Schönheit, der Größe und der Kostbarkeit des Augenblicks und der Natur um uns herum gewahr’, wird vieles doch ganz klein, was zuvor noch riesengroß erschien. Wir sind ein kleiner Augenblick in diesem Erden-Leben, einem Wimpernschlag, in dem unsrigen, gleich. Und was am Ende bleibt, ist allein die Schönheit, das Glück und die Liebe dieses, unsren „Augenblickes“.

 

Drum macht ihn Euch bewusst, macht ihn Euch schön und füllt ihn an, Euren „Augenblick“.

 

In und mit Augenblick-Liebe und läuferischem Schalk,

Eure Katja


Mai 2020

 

Lauft ihr schon oder dümpelt ihr noch...

- oder - Wettkampf in Coronazeiten - virtuell und doch so sehr real

 

Regengrau zieht sich durch das Landschaftsbild, verwaist liegen Wiesen, Felder, Äcker und Wälder verstreut an diesem Morgen, Stille durchzieht den noch frühen Tag wie leise Nebelschwaden... Stille?!

 

Jäh durchbricht ein lauter, glückstrunkener Freudenjauchzer, gefolgt von einem frechen Affenkeckern den friedvollen Moment bevor zwei, in SC-Blautöne gekleidete, leichtfüßig, federnde, fast hüpfend anmutende Mädels aus dem Wald hervor den Damm entlang preschen.

 

Denn ja, während die (so genannten ;) ) Schnellen, die Alten, die Dicken und die Lehrer Donnerstags im Corona-Tempo vor sich hin dümpeln, prescht die SC-Jugend voran und läuft einfach virtuell. Realer Wettkampf war gestern, virtuell (und doch real) ist heute. Und so liefen vier Wackere gestern den virtuellen Regensburg Marathon (Thorsten, Christoph Siebert), bzw. Halbmarathon (Silvie, Katja) 2020.

 

Und während der Regen auf uns niederprasselt stellen sich plötzlich Fragen wie, „Wenn wir nur „virtuell“ wett-kämpfen, wer läuft denn dann gerade ganz real? Und wenn ja, wie viele? (Gruß an Herrn Precht ;) ) Und liegen wir dann quasi noch im Bett, während unsere Avatare (oder waren’s etwa doch die Affa-tare, Silvie… ;D ) hier weder Kondition, noch Wasserfestigkeit scheuen?“

 

Tropf- und nasser werden wir, was erneute Fragen aufwirft, à la „Fühlen sich so die "Dicken" unter uns? So quasi, fünf Kilo regentrikotnässeschwerer?“, ist doch das einzig trocken-feuchte an und mit uns, noch das geschlossene Päckchen Tempotaschentücher in meiner Hand, was uns zumindest dekadentes Toilettengangfeeling im Fall der Fälle zu bescheren weiß. Fast sind wir dankbar, als uns unser mobiler, in strahlend-weiß erleuchteter Motivations- und Getränkespender durch das Regengrau entgegen geradelt kommt, erlöst er uns doch nicht nur von philosophisch gestützten Fragen, nein, zeigt er uns doch auch, dass die teils im Training gern belächelten „Alten“, (doch im Herzen so sehr jungen), im SC ganz schön gut mithalten können und weder Wetter, noch Spontaneität und Flexibilität scheuen, um uns Jungen zu unterstützen, die Jugend zu trainieren und uns quasi auf das harte Alltags-SC-Zukunftsleben vorzubereiten, dabei genauso regenass, laut jauchzend mit dabei seiend.

 

Mehr noch, uns am Ende nach erfolgter Zielerreichung, und trotz Corona, einfach mal in die Arme nehmend, aus dem puren, glücklichen Moment heraus, weil die Nähe und der geteilte Augenblick dem Herzen und der Seele gut tun und dies ebenso viel Wert ist, wie irgendwelche Regularien (,die übrigens komplett eingehalten wurden, bzgl. Gruppenstärke, Mindestabstand, Personenanzahl im öffentlichen Raum,...). Und das gemeinsame Erleben, unser Miteinander, gemischt mit Herz, Schmankerln und dem puren Sein eben manchmal ebenso viel zählt (wenn nicht sogar noch so viel mehr), wie all das andere in diesem wundervollen, leuchtend einzigartig’ Leben.

 

Und so bleibt denn viel zurück an diesem Tag und Vormittag. Ein richtig toller Lauf, tropfnass, doch voll mit Lachen, Glück und Jauchzen. Nein, zwei sogar, denn auch die Jungs kommen gekonnt ins Ziel, die Mädels im Schnitt mit 1,55h auf den Halben, viel Quatschen, Jauchzen, Keckern, Glücklich-Sein und Lachen inbegriffen, die Jungs mit ca. 4:05h auf die gesamte Marathonstrecke, einer kurzen Linx-rechts-Orientierungslosigkeit und einer Zielgeraden-Runde um den Kreisverkehr, bevor es zum vereinten Finisher-Radler und dem allseits verdienten Rhababerkuchen kam. Und während wir uns mit einem glücklichen Grinsen anschauen und uns gegenseitig nickend bestätigen, „Leider geil! Wiederholung inbegriffen!“, frag ich mal in die (Donnerstags-) Runde, „Lauft ihr schon oder dümpelt ihr noch?“ ;)

 


Sommer 2018

Überleben im Schwarzwald

- oder - Von Grabsteinen, schwarzen Sockenlöchern und essentiellen Fragen

 

„Ein Männlein steht im Walde, ganz…“, nein, nicht still und stumm. Und auch nicht nur eines, sondern gleich vier, bzw. drei und ein Mädel. Und das eine erst genannte vor allem auch nicht still und stumm. „Uuhh“, „Aahhh“, „Iihh“, hallt’s vor mir durch den Wald. Gefolgt von undefinierbaren, tief aus dem Bauch heraus kommenden „Üühh“‘s. Und wüsste ich nicht, wo ich bin, wer das ist und würden meine Augen nicht sehen, was sie sehen, würde ich mir vermutlich Sorgen machen. So steigt „nur“ ein lautes Lachen tief aus meinem Bauch hervor und ich muss an mir halten, auch wirklich weiterzulaufen und mich nicht vor Lachen auf dem Boden zu kugeln.

 

Ich seh Eure Fragen bildlich vor mir: „Wo ist sie denn jetzt schon wieder?“, „Wer schreit denn da?“, „Macht sie etwa schon wieder ein Survival Camp?“ und „Wer muss dieses Mal dran glauben?“

 

Ich beginne mal von vorne und doch schon mittendrin. Bei den berühmt-berüchtigten Donnerstags- und überhaupt-Läufen mit und von meinem Vater, im Folgenden auch Manni genannt. Letzten Donnerstag ging‘s von Önsbach aus hoch zum Hornisgrindeturm auf 1164m und weiter zum Mummelsee, was gesamt so um die 20/22km sein sollten.

 

Während sich Manni gleich zu Beginn in altbekannter Manni-Manier erst einmal dicke Freunde schuf, indem er eine Runde selbstgebackener, herzhafter „Kekse“ verteilte, die bei dem ein oder anderen ungeahnte Leistungsfolgen hatte („Die gute Bio-Leberwurst, nicht Roland?“ ;D ), bereitete sich eine kleine Gruppe Wackerer mental bereits auf das Abenteuer „Schwarzwald“ vor. Und so ging es los, Manni stets voraus, er musste schließlich die Folgen seiner Taten fürchten,…Roland dicht auf seinen Fersen und der Rest dann hinterher.

 

Der Rest? Nein, eine kleine Gruppe Tapferer machte sich auf, auf vier Rädern hinauf zum Mummelsee, um sich dort auf zwei Beinen dem Abenteuer Schwarzwald zu stellen und den essentiellen Fragen, die einem auf 1100m Höhe irgendwo tief im Schwarzwald-Dschungel begegnen auf den Grund zu gehen. Fragen, wie „Wo sind wir hier eigentlich?“, „Wo ist der Weg?“ und „Welcher Weg überhaupt?“, gefolgt von „Weshalb liegen hier überall Grabsteine mitten aufm Weg?“, „Sind wir vielleicht auf die uralte Spur einer längst vergessenen Zivilisation von Ureinwohnern, Kannibalen, etc.???, gestoßen?“ und „Weshalb vergraben die ihre Opfer nach erfolgter Mahlzeit?“, was uns zum Grübeln Richtung „Wer trägt im Notfall eigentlich am Wenigsten zum Überleben unserer kleinen Gruppe bei?“ führte, bevor wir mit „Fällt der Hornisgrindeturm?“ (sollte man übrigens nachrecherchieren) nicht mehr um unser, sondern vielmehr um das Leben anderer fürchteten. Und schließlich die essentiellsten Fragen, „Wie kommen die Socken in die Pfütze – ist dies etwa der andere Ausgang des schwarzen Waschmaschinen-Lochs?“ und weshalb macht Christoph eigentlich schon wieder Pause und sitzt da faul am Boden rum?

 

Doch noch waren wir nicht soweit. Noch standen wir völlig arglos, im Vollbesitze unserer geistigen und körperlichen Kräfte am Mummelsee und verteilten uns erst einmal auf vier Bäume, um gemeinsam und tatkräftig die Regenwolken zu unterstützen, die tagsüber für das Überleben und den Durst unserer Natur sorgten. Und da der Mensch ja auch nicht nur Wasser trinken möchte, entschieden wir uns zum selbstlosen Einsatz zugunsten natürlicher Bewässerungsmaßnahmen.

 

Dermaßen erleichtert ging’s los, tapfer rannten wir vier erst einmal geradeaus. Der Weg war, grob skizziert in unseren Köpfen, klar. Vom Mummelsee übers Seibelseckle, Unterstmatt, Hornisgrindeturm, Ochsenstall, Mummelsee. Wir verließen uns ganz auf Peter. Er wird’s schon richten, respektive finden, so dachten wir. Dem alten Hasen macht schließlich keiner so schnell was vor. Bis auf den Schwarzwald und er am Ende selbst, wie wir entdecken mussten. Denn schneller als gedacht, und deshalb in Peter’s Sinne auch „das kann noch nicht die Abzweigung sein, wir laufen weiter“, hatten wir die richtige Abzweigung erreicht und, siehe seinen Gedankengang, auch ungenommen, passiert. Und so erreichten wir plötzlich das Ende eines breiten Weges. Geradeaus stand eine Bank mit Aussicht, jedoch ohne Aussicht auf Weiterkommen. Links ging ein kleines Pfädchen steil bergab (definitiv die falsche Richtung, den Berg runter wollten wir schließlich nicht), rechts ein kleines Pfädchen steil bergauf. Da die Richtung stimmte und außerdem ganz im Sinne von „Es wird schon ein Weg kommen.“ stürmten wir mit dem Mut der Furchtlosen drauflos. Tapfer rannte Christoph die ersten Meter voraus, bis…ja, bis wir wieder am Anfang wären… Ihr erinnert Euch, “Ein Männlein steht im Walde, ganz“…. „Uuhh“, „Aahhh“, „Iihh“, undefinierbares „Üühh“, gefolgt von einem hinter ihm erklingenden tiefen, lauten Lachen aus meinem Halse. Zur Aufklärung, es war nass. Zur In-Schutz-Name, es war richtig nass, da es den ganzen Tag über geregnet hatte. Unsere Schuhe waren bereits nach wenigen Metern tropfnass, ebenso wie unsere Laufhosen und somit wenige Minuten später auch wir. Denn bis zur Hüfte standen wir buchstäblich im Walde, von Farn umzingelt, der bereits lüstern seine Lippen leckte.

 

Ob er wohl der Verursacher der geheimnisvollen Grabsteine war, die wir in regelmäßigen Abständen auf unserem Weg fanden und die Christoph zum Nachdenken anregten, wer hier wohl begraben liege… Hatten wir etwa eine Population fleischfressender Farne mitten im Schwarzwald entdeckt, die durch Wanderer wohl genährt, in hüfthohem Wuchs standen? Oder…waren es etwa doch Zeugnisse einer uralten Kannibalen-Population?

 

Und während wir unter unseren Füßen nach diesem einen, nach diesem uralten Pfad tasteten, der da doch irgendwo sein müsste, hangelten wir uns stets von…ja richtig, Grenzstein zu Grenzstein, wie ich Christoph’s geheimnisumwitterte Grabsteingedanken schließlich lüftete. J

 

Doch außer hüfthohen Farnen, die weder Pfad, noch Weg markierten, sondern einfach nur ein riesengroßes, durchgängiges Feld bildeten, regelmäßigen Wasserlöchern, die sich plötzlich vor unseren Füßen auftaten, Stolpersteinen, über die wir im letzten Moment sprangen sahen wir buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht, in dem Falle, den Pfad vor lauter Farnen. Da ein Umkehren jedoch nicht in Frage kam, ein „Als den Berg hoch, wird schon richtig sein!“, fest in unseren Köpfen verankert saß (was am Ende ja auch stimmte), wir einen wirklich tollen Lauf hatten, (anders halt, aber anders muss ja nicht schlecht sein, ganz im Gegenteil: Anders kann manchmal ganz schön toll sein!) und ich vor innerem Glück und Freude den ganzen Wald zusammen jauchzte, trieben wir unsere Beine den Pfad stetig weiter bergauf.

 

Wie von selbst, stiegen in mir all die Bilder wilder Ur-Wälder und Dschungel dieser Welt, die ich schon bereist hatte auf. Ganz natürlich gab Peter, unser eigentlicher Führer, bereits zu Beginn des Farn-Waldes die Anweisung, „die Dschungelprinzessin solle mal die Führung übernehmen, sie hätte ja bereits Erfahrung“. Und so tobte ich denn durch die Farn-Wildnis, dicht gefolgt von Christoph (wenn er nicht gerade am Boden saß), Martin und Peter, die alle drei, angesteckt durch mich, einen eben solchen Spaß an diesem Abenteuerlauf entwickelten.

 

Und am Ende, ja am Ende siegte dann doch der untrügliche Instinkt eines alten Hasen. Bergauf lag das Ziel, der Weg war irgendwo mitten unter uns und wir erreichten hoch oben tatsächlich einen alten, hölzernen Wegweiser, der uns weiterhalf und auf einen richtigen Weg führte. Wobei, was ist schon richtig und was falsch? Denn jeder Weg, der uns Freude bereitet und erfüllt, ist doch am Ende der richtige Weg.

 

Wir zumindest kamen zwar klatschnass, jedoch voller Freude und Jauchzen an, hatten vermutlich DEN Lauf 2018 und, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, viel zu erzählen. Denn im Leben geht es nun mal häufig nicht um „Höher, schneller, weiter; in diesem Falle um noch mehr Strecke in noch kürzerer Zeit“, sondern manchmal auch einfach nur um den Spaß an der Sache und das große Glück, Freude, Lachen und Jauchzen, in einem „kleinen“ Lauf.

 

Und wer immer noch nach der Beantwortung der essentiellen Fragen dieses Lebens sucht, dem empfehle ich einen Weg, ab des Weges. Vielleicht auch einen Schritt hinein in die überwucherten Tiefen unseres bisherigen Lebens. Hinein ins Unbekannte, das uns manchmal zwar völlig wirr, chaotisch, zugewachsen und „zu viel“ erscheinen und dessen Dunkel uns in Ängste treiben mag, buchstäblich un-weg ist, sich jedoch bereits beim ersten Schritt hinein, einfach richtig anfühlt. Seien wir uns gewiss, am Ende wird der Weg genau da weiter, genau da hin führen, wo es für jeden von uns selbst auch richtig ist, wo es weder falsch, noch richtig gibt, wo unser ureigener Weg liegt und uns führt. Hinein in unser Glück, „Leben“ genannt.

 

Und vielleicht, ja vielleicht lässt sich an diesem Ort sogar die Frage nach dem schwarzen Sockenloch beantworten.

 

Wir zumindest haben unsere Antwort darauf gefunden. :)

 

Auf dass ihr immer Eurem ganz eigenen Weg treu bleibt und dieser Euch auch stets erfüllen mag,

Katja